Brain­stor­ming – Impulse für eine erfolg­rei­che Ideen­ent­wick­lung im Team

13. Juli 2018 von Desiree Bösemüller

Wenn das Wort „Brain­stor­ming“ in einem Meeting fällt, rollen die einen mit den Augen, die ande­ren verschrän­ken ihre Arme und lehnen sich zurück – so rich­tig Ener­gie kommt bei diesem Wort nicht mehr auf. Verständ­lich, denn oft führt Brain­stor­ming nicht zu einem Berg an krea­ti­ven Ideen, sondern zu endlo­sen Diskus­sio­nen, die ins nichts laufen.

In diesem Blog­bei­trag geben wir Impulse, damit Ihr nächs­tes Brain­stor­ming nicht im Sande verläuft.

Was ist Brain­stor­ming eigent­lich? Brain­stor­ming ist eine Krea­ti­vi­täts­tech­nik, also eine Methode zur geziel­ten Förde­rung der Ideen­ent­wick­lung. Diese kann indi­vi­du­ell oder aber im Kollek­tiv ange­wandt werden.

Spiel­re­geln – Prin­zi­pien für ein erfolg­rei­ches Brain­stor­ming

Zunächst achten wir zu Beginn einer jeden Brain­stor­ming-Einheit darauf, die Spiel­re­geln klar zu ziehen. Folgende Prin­zi­pien sind dabei für uns wich­tig:

Foto von einem Flip Chart auf dem bunte Post its kleben, welche noch beschrieben werden
  • Kritik zurück­stel­len! Schlechte Ideen werden im Prozess ohne­hin aussor­tiert. Kein Grund es sofort zu tun, das behin­dert den krea­ti­ven Ideen­fluss.
  • Auf den Ideen ande­rer aufbauen! Sagen Sie „ja und“ zu den Ideen ande­rer statt „nein, aber“ bzw. „ja, aber“ (wie beim Impro­vi­sa­ti­ons­thea­ter), lautet die zentrale Regel, damit ein krea­ti­ver Fluss entste­hen kann
  • Quan­ti­tät statt Quali­tät! Bekom   men Sie erst einmal alle Ideen aus dem Kopf. Je mehr Ideen an der Wand, desto besser. „You first need a hund­reds of ideas for one idea to be bril­li­ant!”
  • Wild sein! Denken Sie radi­kal und unkon­ven­tio­nell, seien Sie utopisch, so kann am ehes­ten eine Inno­va­tion mit hohem Neuig­keits­grad entste­hen!
  • Auf ein Thema fokus­sie­ren! Konzen­trie­ren Sie sich auf die Frage­stel­lung bzw. das Thema.
  • Nur einer spricht! Lassen Sie sich gegen­sei­tig ausre­den.
  • Visu­ell arbei­ten! Bei einer Wand voller Ideen verliert man schnell den Über­blick, Bilder helfen an dieser Stelle. Visua­li­sie­ren Sie so viel und oft Sie können – es geht hier nicht um Perfek­tion, sondern Wieder­erken­nungs­wert und Erin­ne­rungs­stüt­zen.

Diese Spiel­re­geln versu­chen wir durch soge­nannte „Warm-ups“ auch erleb­bar zu machen. Beispiels­weise die Punkte „Kritik zurück­stel­len“ und „Auf den Ideen aufbauen“: Die Teil­neh­men­den stehen im Kreis und bekom­men von uns die Aufgabe, eine Party zu planen. In der ersten Runde sollen die Teil­neh­men­den der Reihe nach eine Idee sagen und dabei auf die Idee des Vordermanns/fraus mit „Ja, aber“ antwor­ten, in der zwei­ten Runde dann mit „ja, und“. Danach lassen wir die Teil­neh­men­den reflek­tie­ren „Was war anders? Wie hat es sich ange­fühlt? Was wollt Ihr für Eurer eige­nes Brain­stor­ming beach­ten?“.

Neben den Prin­zi­pien noch ein paar Hinweise zum Ablauf

Bild von unserem Büro mit einem Stuhlkreis, indem Teilnehmer sitzen. Im Vordergrund sieht man eine Jacke zusammengefaltet worauf ein Hut liegt und dazwischen ein Buch

Mit golde­nen Regeln sind wir bei denk­mo­dell spar­sam, eine gibt es aber doch: Beim Brain­stor­ming in Teams oder Grup­pen immer mit dem stil­len Brain­stor­ming („silent brain­stor­ming“) begin­nen. Dabei schreibt jede/r Teil­neh­mende im Stil­len (ohne mit ande­ren zu spre­chen) Ideen auf. So holen wir erst­mal indi­vi­du­ell alle Ideen raus aus den Köpfen und verhin­dern Verzer­run­gen durch (ggf. domi­nan­tes Einbrin­gen von) Ideen ande­rer. So werden auch die Ideen eher zurück­hal­ten­der Team­mit­glie­der gleich zu Beginn mit fest­ge­hal­ten und aufge­nom­men.

Außer­dem empfiehlt sich für uns eine Mischung aus eher analy­tisch-syste­ma­ti­schen und eher krea­tiv-asso­zia­ti­ven Krea­ti­vi­täts­me­tho­den – insbe­son­dere bei hete­ro­ge­nen Teams, in denen sich die Indi­vi­duen durch verschie­dene Metho­den unter­schied­lich ange­spro­chen fühlen.

  • Eine eher analy­tisch-syste­ma­ti­sche Methode ist beispiel­weise die „Sechs Denk­hüte“ (6 Thin­king Hats) Methode nach de Bono. Bei dieser Methode gibt es sechs verschie­den farbige Hüte, jeder Hut reprä­sen­tiert eine andere Haltung (weißer Hut = objek­tive Haltung, roter Hut = emotio­nale Haltung, gelb = opti­mis­ti­sche Haltung, grün = krea­tive Haltung mit neuen Ideen, schwarz = kriti­sche Haltung, blauer Hut = Big Picture Haltung / Gesamt­über­blick). Die Hüte werden im Team verteilt (auch mit doppel­ter Beset­zung), und darauf­hin wird das Problem entspre­chend der Haltung disku­tiert. Die Farbe und somit die Haltung aus der die einzel­nen Team­mit­glie­der argu­men­tie­ren, sollte dabei für alle sicht­bar sein. So erhält das Team einen struk­tu­rier­ten Über­blick, einzel­nen Team­mit­glie­dern wird ggf. ein Perspek­tiv­wech­sel und somit Empa­thie für andere ermög­licht. Und: Teil­neh­men­den geben nicht ihr eige­nes Feed­back, sondern agie­ren aus der gege­ben Rolle – das kann Hemmun­gen lösen.
  • Eine eher krea­tiv-asso­zia­tive Methode ist die „Superhelden“-Methode. Dabei verset­zen sich alle Team­mit­glie­der in die Perspek­tive ande­ren Menschen oder Figu­ren und lassen sich dadurch inspi­rie­ren. Beispiels­weise kann sich das Team fragen: Was würde Google tun? Was die Queen? Was jemand, der/die Gedan­ken­le­sen kann? Die Methode soll helfen, die eige­nen gedank­li­chen Barrie­ren zu über­win­den und nicht zu schnell in ein „ach nein, das geht nicht, weil…“ abzu­drif­ten.

Insge­samt hat sich in unse­rer Arbeits­pra­xis gezeigt, dass eine Brain­stor­ming Einheit nicht mehr als 60 Minu­ten dauern sollte – dann ist meist die Luft raus und die Köpfe qual­men. Inner­halb dieser Zeit arbei­ten wir meist mit 3 Brain­stor­ming-Metho­den, schaf­fen Austausch und sortie­ren die gesam­mel­ten Ideen zu selbst­ge­wähl­ten Über­schrif­ten oder Kate­go­rien.

Und ein paar ganz prak­ti­sche Tipps für die Entwick­lung krea­ti­ver Ideen

Bild von Klebepunkten und Post Its welches zu unserem Arbeitsmaterial gehört

Verwen­den Sie pro Idee nur einen Post-It oder eine Mode­ra­ti­ons­karte – dann können Sie die einzel­nen Ideen im Nach­gang flexi­bel umhän­gen, clus­tern, etc.Bitte unbe­dingt auf Blei­stifte verzich­ten (…alles schon erlebt…)! Das kann bei einer Wand voll mit Ideen im Nach­gang keine Person mehr erken­nen – und ist auch auf Fotos nur schwer lesbar. Nutzen Sie schwarze Filz­stifte oder Marker für das Beschrei­ben der Post-Its.

Ideen entste­hen oft bei halb­au­to­ma­ti­schen Tätig­kei­ten: Beim Laufen, Fahr­rad­fah­ren, Wäsche waschen, unter der Dusche etc. Außer­dem verknüp­fen sich Ideen gern auch mal über Nacht. Versu­chen Sie daher, wenn möglich, zwei Brain­stor­ming-Phasen einzu­bauen – eine an Tag 1 und eine am Morgen des zwei­ten Tages bei einem zwei­tä­gi­gen Work­shop. Schi­cken Sie die Teil­neh­men­den dann auch mal vor die Tür, zum Laufen oder auf einen Spazier­gang – natür­lich immer mit einem Pack Post-It‘s in der Tasche.

Wir hoffen, dieser Blog­bei­trag gibt Ihnen sinn­volle Impulse für Ihre nächste Brain­stor­ming-Einheit. Drucken Sie sich gern auch unse­ren “denk­zet­tel”-Brain­stor­ming-Metho­den aus – ein klei­nes Nach­schla­ge­heft für den schnel­len Impuls bei der prak­ti­schen Anwen­dung. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören, wie es gelau­fen ist – schrei­ben Sie uns gern eine Mail oder hinter­las­sen Sie einen Kommen­tar.