Design Thin­king erfolg­reich durch­füh­ren – Impulse & Empfeh­lun­gen

27. Oktober 2017 von Desiree Bösemüller

In unse­ren denk­mo­dell Design Thin­king Work­shops und Trai­nings werden wir immer wieder gefragt: Was braucht es  eigent­lich für einen erfolg­rei­chen Design Thin­king Prozess? Zusam­men mit meinen Kolleg*innen haben wir also eine kleine Samm­lung mit Empfeh­lun­gen und Impul­sen ange­fan­gen, die viel­leicht auch für Sie hilf­reich sein könnte:

Eine echte Chal­lenge

Karikatur von einer Person die Jongliert mit einem Buch, Fragezeichen, Ausrufezeichen, einem Infozeichen ect.

Jeder Prozess star­tet mit einer Chal­lenge oder Frage­stel­lung – aber: Welche Fragen oder Heraus­for­de­run­gen sind für Design Thin­king geeig­net? Wir verwei­sen an dieser Stelle gern auf den Unter­schied zwischen komplex und kompli­ziert und stel­len folgende Voraus­set­zun­gen an die Frage­stel­lung:

  • Ist die Chal­lenge oder Frage­stel­lung NICHT mit bloßer Hilfe von Fach­wis­sen zu lösen? Dann ist sie für Design Thin­king geeig­net.
  • Die Frage­stel­lung muss Platz für Ideen lassen, darf nicht zu einschrän­kend sein (sie sollte eine unge­fähre Ziel­gruppe und ein Problem / eine Heraus­for­de­rung beinhal­ten)!
  • Es soll­ten keine Übungs­fälle sein, echte Probleme und Heraus­for­de­run­gen sind gefragt!
  • Gemäß unse­rer bishe­ri­gen Erfah­run­gen sind Krite­rien für eine gute Chal­lenge:
    • Beispiels­weise offene Fragen: Wie? Wodurch?…
    • keine Antwort oder Lösungs­ori­en­tie­rung
    • ein reales, offe­nes und schwie­ri­ges Problem als Ausgangs­punkt
    • idea­ler­weise nicht durch Verbes­se­run­gen, sondern durch echte Inno­va­tion lösbar
    • nicht ohne weite­res mit entspre­chen­der Exper­tise direkt abschlie­ßend beant­wort­bar

Moti­vier­tes Design Thin­king Team

Bild von einem Stück Stoff andem Wäscheklammern befestigt wurden. Jede Wäscheklammer hat ein Gümmi in einer anderen Farbe

Die Chal­lenge bzw. Frage­stel­lung steht – aber: Wer sollte eigent­lich ins Design Thin­king Team? Wir bezie­hen uns hier gern auf die Kern­ele­mente von Design Thin­king. Der Design-Thin­king-Wegbe­rei­ter Tim Brown (Tim Brown, Harvard Busi­ness Review, 2008) und wissen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen von Amabile (Amabile, T. M.: A model of crea­ti­vity and inno­va­tion in orga­niz­a­ti­ons. Rese­arch in Orga­niz­a­tio­nal Beha­vior, 10, 123–167, 1988.) geben gute Anhalts­punkte für ein idea­les Team:

  • Die Teams soll­ten multi­dis­zi­pli­när aufge­stellt sein, d.h. sie soll­ten aus Mitglie­dern mit unter­schied­li­chen Alters­grup­pen, unter­schied­li­chen Fach­ex­per­ti­sen, unter­schied­li­chen Denk­wei­sen sowie unter­schied­li­chen Typen (Macher*innen / Unternehmer*innen, Philosoph*innen etc.) bestehen.
  • Dabei soll­ten die Team­mit­glie­der ein Mind­set teilen. Jede*r sollte jeweils Empa­thie, Expe­ri­men­tier­freude, Opti­mis­mus, Enthu­si­as­mus und vor allem Offen­heit für die Meinung der Nutzer*innen (wenig spre­chen, viel zuhö­ren und aufneh­men) mitbrin­gen.
  • Unsere Grund­hy­po­these ist, dass jeder Mensch krea­tiv ist. Krea­ti­vi­täts­för­dernde Charak­te­ris­tika sind die intrinsi­sche Moti­va­tion, das Problem betref­fen­des sozio­kul­tu­rel­les Wissen und krea­tive Denk­fä­hig­kei­ten. In Trai­nings unter­stüt­zen wir vor allem letz­te­res und achten auf eine hohe Eigen­mo­ti­va­tion der Teil­neh­men­den.
  • Für einen dyna­mi­schen, inspi­rie­ren­den Prozess empfeh­len wir mindes­tens 4, höchs­tens 7 Team­mit­glie­der.

Passende Räum­lich­kei­ten

Ein weite­res Kern­ele­ment im Design Thin­king sind die Räum­lich­kei­ten. Vor einer Weile teil­ten wir dazu unsere wich­tigs­ten Erkennt­nisse, hier noch­mal ein paar Hinweise im Kurz­über­blick:

  • Verwen­den Sie keinen Konfe­renz­raum für Brain­stor­ming-Phasen – gene­rell sind Konfe­renz­räume unge­eig­net in inno­va­ti­ven Prozes­sen!
  • Sorgen Sie für Rück­zugs­räume, die einen Fokus- und Konzen­tra­tion fördern und zugleich auf akti­vie­rende, inspi­rie­rende Expe­ri­men­tier­flä­chen.
  • Unsere Erfah­run­gen zeigen, dass eine Räum­lich­keit mit örtli­cher Distanz zum Büro und mit einer ande­ren Atmo­sphäre als im übli­chen Büro, hilf­reich sein kann, um übli­che Denk- und Verhal­tens­mus­ter aufzu­bre­chen.
  • Allge­mein ist uns wich­tig: Tages­licht und frische Luft – beides sollte durch das Team selbst regu­lier­bar sein, Owners­hip über die Räum­lich­keit (die Post-Its etc. soll­ten auch über Tage hängen blei­ben dürfen) und (Obacht, hier tappen viele in eine Falle!) kein durch­de­sign­ter Raum. Der Raum sollte zum Weiter­bauen und zur Fehler­freude anre­gen.
  • Für einen Entwick­lungs­work­shop sollte idea­ler­weise die geogra­fi­sche Nähe zu Nutzer*innen berück­sich­tigt werden.

Nutzer*innen an Bord

Bild mit einer Sprechblase worin steht "Immer auf den Nutzer fokussieren

Design Thin­king ist ein nutzer*innenzentrierter Prozess – es braucht also die Nutzer*innen! Ohne die geht es nicht, sonst wird ein Work­shop schnell zu einem Diskus­si­ons­kreis mit viel Bauch­ge­fühl. Für uns gilt daher:

  • Denken Sie sich keine Stereo­ty­pen aus, sondern befra­gen Sie echte Nutzer*innen! – Wenn alle sagen „Wir müssen nicht raus­ge­hen und Nutzer*innen befra­gen, wir kennen die Perso­nen“ gibt es mögli­cher­weise keine neuen, tiefer­grei­fen­den Erkennt­nisse, sondern ober­fläch­li­ches Allge­mein­wis­sen und daher auch selten inno­va­tive Ideen.
  • Nehmen Sie bei der Nutzer*innenbefragung gern auch Extrem­bei­spiele. Diese sind oft hilf­reich, Empa­thie zu entwi­ckeln und Inspi­ra­tion zu erzeu­gen.
  • Vertreter*innen, die hinter jeder Persona stehen­den realen Nutzer*innentypen, soll­ten idea­ler­weise für eine Beob­ach­tung bzw. für ein Gespräch erreich­bar sein – das gilt insbe­son­dere in der Test­phase der Proto­ty­pen.

Mini­mal­be­din­gun­gen

Nicht immer können alle oben genann­ten Fakto­ren erfüllt werden, wir haben daher noch ein paar Mindest­an­for­de­run­gen zusam­men­ge­stellt:

  • Für uns zählt Kommit­tent für den Design Thin­king Prozess – dies schließt die Führungs­etage mit ein.
  • Es muss die Möglich­keit des Schei­terns geben. Design Thin­king ist ein ergeb­nis­of­fe­ner Prozess!
  • Es muss ausrei­chend Zeit für Nutzer*inneninterviews und den Prozess an sich zur Verfü­gung stehen.
  • Entwe­der hat eine kriti­sche Masse im Team (1−2 Leute bei insge­samt 5 Team­mit­glie­dern) Vorer­fah­run­gen mit der Design Thin­king Methode und/oder eine enge metho­di­sche Beglei­tung durch Design Thin­king Coaches wird notwen­dig.
  • Planen Sie bei Entwick­lungs­work­shops mindes­tens 1,5 Tage für einen Durch­lauf des gesam­ten Design Thin­king Prozes­ses ein. Selbst­ver­ständ­lich können hier je nach Prozess­skizze, Thema und Team unter­schied­li­che Zeit­rah­men sinn­voll sein.

Wenn Sie mehr über Design Thin­king erfah­ren wollen oder über Rahmen­be­din­gun­gen und ein erfolg­rei­ches Aufset­zen eines Design Thin­king Work­shops ins Gespräch kommen wollen, dann infor­mie­ren Sie sich über unser Trai­ning Design Thin­king.