Besuch beim Trai­nings­pro­gramm für Kulturjournalist*innen aus dem Arabi­schen Raum

14. Dezember 2012 von denkmodell

Elf junge Journalist*innen aus dem arabi­schen Raum, die sich in ihren Heimat­län­dern mit Kultur ausein­an­der­set­zen und kultur­schaf­fend tätig sind, legen der Berli­ner Kunst- und Kultur­szene den Finger an den Puls. Auf Einla­dung des Goethe-Insti­tuts durch­lau­fen sie ein von denk­mo­dell konzi­pier­tes vier­wö­chi­ges Trai­nings­pro­gramm.

Neben Metho­den der Kultur­re­fle­xion und Kultur­kri­tik steht vor allem der Austausch auf der Agenda: Der Dialog mit deut­schen Journalist*innen, Künstler*innen und Kultur­schaf­fen­den in Deutsch­land eröff­net neue Perspek­ti­ven. Das „Fort­bil­dungs­pro­gramm für Kulturjournalist*innen aus dem Arabi­schen Raum“ soll außer­dem die Grund­lage für ein trag­fä­hi­ges innera­ra­bi­sches Netz­werk schaf­fen, das den Austausch zwischen Journalist*innen aus arabi­schen Ländern und mit Betei­lig­ten in Deutsch­land erleich­tert.

Bei der Auswahl der Exkur­sio­nen, Referent*innen und Kultur­ver­an­stal­tun­gen schöpft das Trai­nings­pro­gramm aus einer brei­ten Palette von Hoch­kul­tur bis Under­ground. Theo­re­ti­sche Inhalte aus der Kommu­ni­ka­ti­ons- und Medi­en­theo­rie wech­seln sich ab mit Themen, die das eigene Dasein als Journalist*in betref­fen, wie die Ausbil­dung von Nachwuchsjournalist*innen, ein Über­blick über die deut­sche Medi­en­land­schaft und das deut­sche Pres­se­recht. Oder es gibt ganz prak­ti­sche Tipps, zum Beispiel „How to pitch in Western media”. An die vier Wochen Trai­ning schließt sich eine zwei- bis vier­wö­chige Hospi­ta­ti­ons­phase an, in der die Teil­neh­men­den bei einer deut­schen Redak­tion Themen­be­rei­che vertie­fen können, die sie beson­ders inter­es­sie­ren.

Impulse für die Aufklä­rung

Dass Kultur­be­richt­erstat­tung eine gestal­te­ri­sche und gleich­zei­tig seis­mo­gra­fi­sche Funk­tion für gesell­schaft­li­chen Wandel über­neh­men kann, war gleich in der ersten Woche Thema: Bei der Diskus­sion über Nach­rich­ten­werte und jour­na­lis­ti­sche Rollen­ver­ständ­nisse wurde schnell klar, dass die Teil­neh­men­den – ob aus Gaza, dem Liba­non, Marokko oder Ägyp­ten – ihre Aufgabe als Kulturjournalist*innen vor allem darin sehen, mit ihrer Bericht­erstat­tung aufzu­klä­ren, Fakten ans Licht zu brin­gen und die Öffent­lich­keit aufzu­rüt­teln. In Ländern, in denen die Regie­rung bestimmte gesell­schaft­li­che Themen als bedroh­lich ansieht, kann Kultur und das Berich­ten über Kultur oft mehr errei­chen als expli­zite poli­ti­sche Botschaf­ten. Den Heraus­for­de­run­gen bei der Arbeit in Kontex­ten, wo die freie Meinungs­äu­ße­rung nicht garan­tiert ist, trägt das Programm mit Übungs­ein­hei­ten zur siche­ren Nutzung des Inter­nets und zum unauf­fäl­li­gen Einsatz von Smart­pho­nes bei der Bericht­erstat­tung Rech­nung.

Ein Spazier­gang ist das Trai­ning für die jungen Schreiber*innen aller­dings nicht: Das Voll­zeit-Trai­nings­pro­gramm setzt sich aus inter­ak­ti­ven Lern- und Übungs­ein­hei­ten zusam­men, die pro Woche durch zwei bis drei Besu­che bei Redak­ti­ons­häu­sern und Kultur­ver­an­stal­tun­gen und durch Vorträge oder Gesprächs­run­den ergänzt werden. Wer danach noch Ener­gie hat, nimmt am kultu­rel­len Rahmen­pro­gramm teil oder erkun­det auf eigene Faust die kultu­relle Viel­falt Berlins.

Die Nähe zur Praxis ist dabei stets präsent. Nicht zuletzt dadurch, dass die Teil­neh­men­den auf ihrem Blog auf der Website des Goethe-Insti­tuts ihre Erfah­run­gen und Eindrü­cke stets live berich­ten und so paral­lel zum Trai­ning „echte” jour­na­lis­ti­sche Stücke veröf­fent­li­chen. Und wenn man die jungen Journalist*innen auf ihren Streif­zü­gen durch Berlins urbane Kultur­stät­ten beglei­tet, dann stellt man fest, dass sie tatsäch­lich die meiste Zeit den Finger, ja genau, am Smart­phone haben.