Inklu­sion von Menschen mit Beein­träch­ti­gung in der Bera­tung

21. März 2019 von Carla Riedel

Immer wieder begeg­nen wir Menschen mit aller­lei Arten von Beein­träch­ti­gung in unse­rer Bera­tung. Sei es als Teilnehmer*in in einem Work­shop oder Trai­ning, als Mitarbeiter*in in einem größer ange­leg­ten Bera­tungs­pro­zess oder als Co-Trainer*in oder als Auftraggeber*in. Hier werden viele Inklu­si­ons­the­men aktu­ell: Sind die Räume barrie­re­frei zugäng­lich? Lassen sich die Themen für Menschen mit Lern­schwie­rig­kei­ten ebenso in einfa­che­rer Spra­che gut vermit­teln? Sind die Metho­den inklu­siv oder schlie­ßen sie einzelne Teil­neh­mende aus?

Oft kommen wir an dieser Stelle in ein Span­nungs­feld: Wie lässt sich ein Krea­tiv­work­shop, bei dem es um Ideen­ent­wick­lung und Proto­typ­ing geht, so gestal­ten, dass Menschen mit einer Sehbe­hin­de­rung oder mit  einge­schränk­ter Bewe­gungs­fä­hig­keit nicht nur teil­neh­men, sondern auch etwas beitra­gen und mitneh­men können? Wie lässt sich in einem stark auf visu­elle Unter­stüt­zung des Lern­stof­fes ausge­rich­te­ten Trai­ning eine blinde Person gut mitneh­men? Wie können wir auch denje­ni­gen eine Stimme geben, die aufgrund welcher Umstände auch immer, kein Gehör finden (oder umge­kehrt die ande­ren nicht hören können)?  Wie können wir Tech­nik zur Unter­stüt­zung heran­zie­hen?

Auf diese Fragen haben wir keine ferti­gen Antwor­ten. Doch wir haben den Wunsch, es jedes Mal besser zu machen. Ein paar Impulse zum Umgang mit Menschen mit Beein­träch­ti­gung in der Bera­tung haben wir mitt­ler­weile gesam­melt, hier mit Fokus auf Menschen mit star­ker Sehbehinderung/Erblindung:

Bild von einem Auge welches durchgestrichen ist
  • Spre­chen Sie immer aus, was Sie machen und was auf dem Flip­chart zu sehen ist: „Ich zeige Ihnen jetzt vier Fakto­ren, die….“
  • Spre­chen Sie aus, wer sich gemel­det hat und in welcher Reihen­folge: “Erst Hannah, dann Florian und eine Wort­mel­dung von Achmed…”
  • Behal­ten Sie die den*die Betref­fende im Auge (achten Sie auf Hand heben, aber auch auf Stirn­run­zeln etc.) und spre­chen Sie aus, dass er*sie sich zu Wort meldet. So ist klar, wann er*sie dran ist.
  • Wenn Sie Rollen­spiele oder ähnli­ches machen, braucht er*sie eine*n Partner*in zum Vorle­sen. Mögli­cher­weise ist es sinn­voll, Texte oder Arbeits­blät­ter schon vorab zu schi­cken.
  • Das Wich­tigste zum Schluss: Fragen Sie! Fragen Sie einfach nach, was er*sie von Ihnen braucht und behan­deln Sie die Person ansons­ten ebenso wie die ande­ren. Fragen Sie am besten schon vor der Veran­stal­tung, so dass Sie weder Zeit verlie­ren noch zusätz­li­che Aufmerk­sam­keit auf die Beein­träch­ti­gung lenken.

Wir möch­ten nieman­den aufgrund einer Beein­träch­ti­gung oder eines ande­ren Merk­mals von Prozes­sen oder aus Veran­stal­tun­gen ausschlie­ßen. Gleich­wohl  gelingt es uns leider nicht immer, Veran­stal­tun­gen barrie­re­frei zu gestal­ten. Wir begrei­fen dies als Lern­pro­zess, und versu­chen auch im Prozess Dinge zu ändern, um Betei­li­gung möglich zu machen. Dazu lernen wir oft, viel und gerne von den Teil­neh­men­den unse­rer Veran­stal­tun­gen, von solchen mit Beein­träch­ti­gung beson­ders. Spre­chen Sie uns an. Will­kom­men! Wir lernen noch. Am liebs­ten gemein­sam vonein­an­der.

Dieser Blog­ar­ti­kel wurde von unse­rer Berater*innen Carla Riedel und Albert Eckert nach einem gemein­sa­men Einsatz verfasst.