Mind­ful Leaders­hip – Acht­sam­keit als Grund­lage in verän­dern­den Orga­ni­sa­tio­nen

14. Januar 2020 von Irene Ossa

Zwischen Reiz und Reak­tion gibt es einen Raum. In diesem Raum hat der Mensch die Frei­heit und die Fähig­keit, seine Reak­tion zu wählen. In diesen Entschei­dun­gen liegen unser Wachs­tum und unser Glück.“ Steven R. Covey [1]

Die Bewe­gung hin zu mehr Acht­sam­keit (engl. mind­ful­ness) in Orga­ni­sa­tio­nen ist ziem­lich neu. Zu den Pionie­ren gehö­ren dabei Unter­neh­men wie SAP, Google und Upstall­boom. Bereits in einem unse­ren letz­ten Blog­bei­träge zeig­ten wir, dass die Forschun­gen zum Thema seit dem Jahr 2000 eine regel­rechte „Boom­phase“ erle­ben. Der Neuro­wis­sen­schaft­ler Ulrich Ott benennt in seinem Buch „Medi­ta­tion für Skep­ti­ker“[2] und auf seiner Website u.a. Dialoge des Dalai Lama mit führen­den west­li­chen Wissenschaftler*innen seit den 80er Jahren, zahl­rei­che Kongresse, Medi­en­be­richte und den Einzug acht­sam­keits­ba­sier­ter Verfah­ren in die psycho­the­ra­peu­ti­sche Praxis als impuls­ge­bend. Hinzu­kommt der Erfolg des inzwi­schen welt­weit verbrei­te­ten und verhal­tens­me­di­zi­ni­schen Programms der acht­sam­keits­ba­sier­ten Stress­re­duk­tion Mind­ful­ness-Based Stress Reduc­tion – MBSR des ameri­ka­ni­schen Mole­ku­lar­bio­lo­gen Jon Kabat-Zinn. Auch unsere Kund*innen stel­len fest:

Die fort­schrei­tende Digi­ta­li­sie­rung sowie stän­dige Erreich­bar­keit und zuneh­men­der Leis­tung- und Erfolgs­druck sind die neuen Gefah­ren der heuti­gen Arbeits­welt. Auch Mana­ger soll­ten neue Kompe­ten­zen für die Verbes­se­rung im Arbeits­all­tag entwi­ckeln. Dabei kann Acht­sam­keit ein wich­ti­ger Baustein und eine beträcht­li­che Win-Win Möglich­keit sein. Sowohl für die Mitar­bei­ter eines Unter­neh­mens als auch für die Mana­ger selber.” (Norbert Müller, secu­net Secu­rity Networks AG, Leiter Divi­sion Öffent­li­che Auftrag­ge­ber)

Ein inter­es­san­ten Arti­kel mit einem Inter­view mit Irene Ossa zum Thema MBSR finden Sie außer­dem hier.

Acht­sam­keit ist auch eine Haltung

Foto auf dem man einen Körper von einer Person sieht. Die Person sitzt mit verschrenkten Beinen und hat ein Buch auf dem Schoß

Acht­sam­keit kann als Haltung Basis und Raum für die Frei­heit und den Mut schaf­fen, Neues zu wagen. Es lädt Führungs­kräfte ein, zu vertrauen, die Früchte aus dem ziehen zu können, was in dieser Kultur selbst­wirk­sam entste­hen möchte, statt die Lösung immer gleich parat haben zu müssen. Acht­sam­keit ist eine Antwort zur Stär­kung des Indi­vi­du­ums in einer Welt, in der stän­di­ger Wandel sich zum Normal­zu­stand entwi­ckelt. Eine Welt, in der das Indi­vi­duum sowie die Orga­ni­sa­tio­nen Möglich­kei­ten suchen, diesen Wandel aktiv und verant­wort­lich mitzu­ge­stal­ten.

Das setzt voraus, dass Verän­de­rung als Chance zum Wach­sen und Reifen begrif­fen und vermeint­li­che Sicher­heit des Herkömm­li­chen neu über­dacht und viel­leicht auch losge­las­sen werden kann. Inso­fern ist mehr Acht­sam­keit eine wesent­li­che Grund­lage für die Haltung in Agili­tät und Selbst­or­ga­ni­sa­tion.

Acht­sam­keit als Quelle für Krea­ti­vi­tät und Selbst­ver­ant­wor­tung

Die Wissen­schaft iden­ti­fi­ziert immer mehr Hinweise neuro­plas­ti­scher Verän­de­rung im Gehirn der*s Einzel­nen durch die Übun­gen der Acht­sam­keit. Was hat das mit Orga­ni­sa­tio­nen zu tun? Führungs­kräfte sind immer auch Beispielgeber*innen. Aus dieser Posi­tion neue Wege auszu­pro­bie­ren und voran­zu­schrei­ten, hat Einfluss auf das Orga­ni­sa­ti­ons­um­feld. Das wirkt sich posi­tiv aus auf Konzen­tra­tion, Resi­li­enz, Zufrie­den­heit, Gelas­sen­heit, Empa­thie uvm. Beispiele zeigen, wie Acht­sam­keit dabei unter­stützt, dass konven­tio­nelle Hier­ar­chie­struk­tu­ren dyna­mi­schen, selbst­wirk­sa­men Orga­ni­sa­ti­ons­for­men weichen können.[3] Denn: ein acht­sa­mes, wert­schät­zen­des Unter­neh­mens­um­feld befä­higt seine Beschäf­tig­ten, mit ihrem ganzen Wesen präsent und authen­tisch zu sein. Es unter­stützt Moti­va­tion und Freude, Sinn­haf­tig­keit und Krea­ti­vi­tät. Raum für eigen­stän­di­ges Denken, Selbst­ver­ant­wor­tung, visio­näre Ideen und Mut, sie umzu­set­zen. Acht­sam­keit schafft Vertrauen in eigene und gemein­same Ressour­cen. Sie beför­dert Resi­li­enz und Stress­ma­nage­ment und hat posi­tive Effekte für die gesamte Orga­ni­sa­tion. „Es geht um die Wieder-Entde­ckung des Selbst. Der zentrale Begriff lautet: Selbst-Wirk­sam­keit. Das meint: Das Selbst und die Welt in ein neues schöp­fe­ri­sches Verhält­nis brin­gen“, sagt Trend- und Zukunfts­for­scher Matthias Horx in seinem Arti­kel „Mega­trend Acht­sam­keit“.

In Orga­ni­sa­tio­nen acht­sa­mer werden – einfach begin­nen

Foto mit einer Frau, die am Tisch sitzt und etwas aufschreibt

Um in einer Orga­ni­sa­tion acht­sa­mer zu werden, sollte nicht mit Ziel­ver­ein­ba­run­gen, Leit­bil­dern oder ande­ren herkömm­li­chen Konzep­ten aufge­war­tet werden. Viel­mehr empfiehlt es sich, ganz einfach auf Teamebene mit münd­li­chen Verein­ba­run­gen zu star­ten. Das können schon kleine Momente des Inne­hal­tens sein, wie beispiels­weise zum Beginn des Team­mee­tings mit einer Check-in-Frage zu begin­nen: „Wie bin ich gerade da?“. Auch empfiehlt sich, jede Stunde einen kurzen Stopp von einer Minute einzu­le­gen. Beispiels­weise immer dann, wenn Sie einen Gang zum Drucker oder in einen ande­ren Raum machen. Werden Sie sich dabei Ihres Atems, Ihrer Körper­wahr­neh­mung und Ihrer Stim­mung bewusst. Lassen Sie ange­spannte Muskeln los. Im Kontakt mit ande­ren können Sie auch versu­chen, bei einem Gespräch wahr­zu­neh­men, wie sehr Sie in eigene Geschich­ten oder Urteile abdrif­ten. Im nächs­ten Schritt können Sie sich bewusst entschei­den, der*m Gesprächspartner*in wert­frei zuzu­hö­ren und sich ihm*ihr neu zu öffnen. Das kann helfen, den Fokus auf die andere Person zu haben und gleich­zei­tig den Blick für andere Perspek­ti­ven und Wahr­neh­mun­gen zu weiten.

Mind­ful Self-Leaders­hip Trai­ning

Impulse und Übun­gen zu mehr Acht­sam­keit helfen, nicht nur in einer komple­xer werden­den Welt Stabi­li­tät zu finden, sondern auch, das eigene Poten­tial zu entfal­ten. Dabei kann man kaum zwischen Beruf und Alltag tren­nen, da immer der ganze Mensch im Mittel­punkt steht und mehr Acht­sam­keit in beide Berei­che ausstrahlt. Wie Sie selbst acht­sa­mer arbei­ten und leben können, aber auch Impulse für Ihren eige­nen Arbeits­kon­text bekom­men, möch­ten wir Ihnen in unse­rem  Trai­ning „Mind­ful Selbst-Leaders­hip – Selbst­füh­rung und Stress­be­wäl­ti­gung“ vermit­teln.

Fußno­ten:

[1] Steven R. Covey: Der achte Weg. Mit Effek­ti­vi­tät zur wahren Größe, Seite 58

[2] Ott,  Ulrich (2010): Medi­ta­tion für Skep­ti­ker: Ein Neuro­wis­sen­schaft­ler erklärt den Weg zum Selbst, O.W.Barth Verlag.

[3] Jäger, Willis; Kothes, Paul J.  (Hrsg.) (2009): zen@work, Mana­ger und Medi­ta­tion, J. Kamp­hau­sen Verlag & Distri­bu­tion GmbH.

Glomb, T. et al. (2011): Mind­ful­ness at work, rese­arch. Person­nel an Human Resour­ces Manag­ment, 4330, 115−157,128.

Kothes, Paul J.; Rosmann, Nadja (2014): Mit Acht­sam­keit in Führung, Fach­buch Klett-Cotta.