Koope­ra­tion gestal­ten – Einbli­cke in die Ausbil­dung „Bera­tung & Organisationsentwicklung“

11. August 2013 von denkmodell

In vier paral­le­len Klein­grup­pen wird disku­tiert, debat­tiert und konzi­piert. Fünf Stühle um ein Flip­chart ange­ord­net – in einer Stunde soll ein Ange­bot für ein komple­xes Koope­ra­ti­ons­vor­ha­ben präsen­tiert werden. Wer mode­riert? Wer visualisiert?

Erst Rollen defi­nie­ren, dann sammeln, struk­tu­rie­ren, fokus­sie­ren – und schließ­lich präsen­tie­ren. Dabei schwankt die Stim­mung von konzen­trier­tem Schwei­gen über hitzi­ges Debat­tie­ren zu laut­star­kem Lachen und zurück – bis das Ergeb­nis steht und die Ausbilder*innen das Ende der Einheit einläuten.

21 Teilnehmer*innen absol­vie­ren bei denk­mo­dell eine zwei­jäh­rige berufs­be­glei­tende Ausbil­dung in „Bera­tung & Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung“. Sie lernen auf Basis von konzep­tio­nel­lem und metho­di­schem Fach­wis­sen, Bera­tungs­kon­zepte zu entwi­ckeln, die zum Kund*innenkontext und ‑anlie­gen passen. Thema­ti­scher Fokus in Modul 7:

Koope­ra­ti­ons­ma­nage­ment

Wie koope­rie­ren Orga­ni­sa­tio­nen heute und in Zukunft, um den indi­vi­du­el­len und gemein­sa­men stra­te­gi­schen Heraus­for­de­run­gen zu begeg­nen? Welche Form der Zusam­men­ar­beit ist adäquat und dem jewei­li­gen Ziel ange­mes­sen? Wie kann erfolg­rei­che Koope­ra­tion gesteu­ert werden? Und wie können Berater*innen Koope­ra­ti­ons- und Verhand­lungs­pro­zesse profes­sio­nell begleiten?

Was Stoff genug bieten würde, um ein Sympo­sium zu füllen, wird inner­halb der Ausbil­dung zuerst durch Fach­li­te­ra­tur und einzelne Online-Kurse vorbe­rei­tet und dann gemein­sam fünf Tage lang vertieft und vor allem: prak­tisch ange­wandt. Dabei liegt während der Präsenz­pha­sen immer ein beson­de­rer Fokus auf der gemein­sa­men Arbeit an Fall­bei­spie­len. Unter ande­rem hat ein*e Teilnehmer*in ein Bera­tungs­an­lie­gen aus der Inter­na­tio­na­len Zusam­men­ar­beit zur Verfü­gung gestellt: Inner­halb eines Sektors sollen Konzepte unter­schied­li­cher Geber­in­sti­tu­tio­nen aufein­an­der abge­stimmt werden. Wie kann sie vorge­hen, um die zukünf­tige Koope­ra­tion rich­tig einzu­fä­deln? Was wären mögli­che Ansatz­punkte für uns als Berater*innen? Welche Rollen gibt es im Prozess? Welcher Nutzen kann entste­hen und welche Inter­es­sen verfol­gen die einzel­nen Stake­hol­der? Wo ist Wider­stand zu erwar­ten und wie kann konstruk­tiv damit umge­gan­gen werden?

Nach halb­stün­di­ger Kontext­klä­rung werden inner­halb von Klein­grup­pen eine Stunde lang Bera­tungs­an­sätze entwi­ckelt und später vor der Gesamt­gruppe präsen­tiert. In einer gemein­sa­men Auswer­tungs­runde gibt es nicht nur Feed­back von Seiten der Ausbilder*innen, auch der*die poten­ti­elle Kund*in nimmt Stel­lung dazu, welches Bera­tungs­an­ge­bot ihm*ihr am hilf­reichs­ten erscheint und wieso. Um zu guten Arbeits­er­geb­nis­sen zu kommen, müssen auch die Teilnehmer*innen vor allem eins: erfolg­reich koope­rie­ren. Nicht nur in Modul 7.

Vom ersten Ausbil­dungs­tag an beginnt für jede Ausbil­dungs­gruppe ein Prozess, ähnlich dem, den Orga­ni­sa­tio­nen in Koope­ra­tio­nen durch­lau­fen. Über Kontakt­auf­nahme und Infor­ma­ti­ons­aus­tausch gelangt man dazu, Wissen zu teilen, um auf dieser Basis gemein­same Akti­vi­tä­ten planen zu können. All das neben dem eigent­li­chen „Kern­ge­schäft“. Da gilt es Ausbil­dungs­zei­ten, Online-Kurse und Fach­lek­türe in den beruf­li­chen und priva­ten Alltag zu inte­grie­ren. Kein uner­heb­li­cher Koor­di­na­ti­ons­auf­wand – aber es lohnt: Nach­dem sich die derzei­tige Ausbil­dungs­gruppe nun ausrei­chend kennen und schät­zen gelernt hat, geht es an die Umset­zung gemein­sa­mer Aktivitäten.

Koope­ra­tion in der Praxis

Das nächste Ausbil­dungs­mo­dul orga­ni­sie­ren die Teil­neh­men­den komplett in Eigen­re­gie – Modul 10 sieht eine gemein­same Bera­tungs­ein­heit in Berli­ner Insti­tu­tio­nen und Unter­neh­men vor. Genug Zeit also, Erfolgs­fak­to­ren gelun­ge­ner Koope­ra­tion in der Praxis zu erfah­ren. Und die sind hier ähnlich wie andern­orts: Um erfolg­reich zusam­men zu arbei­ten, ist jede*r einzelne gefor­dert, die Perspek­tive ande­rer aufzu­neh­men, Inter­es­sen gewinn­brin­gend auszu­han­deln und Konflikte konstruk­tiv zu lösen.

Es ist eine Stim­mung, in der jede*r für sich am meis­ten profi­tiert, wenn er*sie auch die ande­ren im Blick hat – auch, weil für indi­vi­du­elle Lern­er­folge die Perspek­ti­ven­viel­falt der Gruppe entschei­dend ist. Deshalb sind die unter­schied­li­chen Erfah­run­gen und beruf­li­chen Hinter­gründe der Teilnehmer*innen wich­ti­ger Bestand­teil des Lern­kon­zepts. Schließ­lich ist eine zentrale Bera­ter­kom­pe­tenz, sich hinein­den­ken zu können in bisher unbe­kannte Kontexte und Kunden­an­lie­gen. „Aufgrund der bunten Zusam­men­set­zung der Gruppe macht das gemein­same Lernen doppelt so viel Spaß! Jede*r einzelne ist eine abso­lute Berei­che­rung“, sagt Gunhild Schwi­talla-Ruf, Ausbil­dung 201213, Fach­kon­zep­tio­nis­tin, Sektor­pro­gramm Frie­den und Sicher­heit, GIZ GmbH, Eschborn.

Und so werden – zurück in Modul 7 – am Ende der Klein­grup­pen­ar­beit vier unter­schied­li­che Bera­tungs­an­sätze vorge­stellt. Jede*r konnte dabei Erlern­tes anwen­den und vertie­fen sowie Verbes­se­rungs­mög­lich­kei­ten iden­ti­fi­zie­ren. Und der*die „Kund*in“? Auch sie hat profi­tiert – zum einen durch den Rollen­wech­sel in die Kund*innenperspektive und zum ande­ren durch Aha-Effekte und konkrete Ergeb­nisse in Bezug auf das Anlie­gen. Seine*Ihre Ausbildungskolleg*innen haben ein Bündel mögli­cher Hand­lungs­op­tio­nen mitgeben.

Am Ende des Tages…

So endet der Semi­nar­tag mit vielen Lern­er­fah­run­gen und ‑erfol­gen und sicher­lich auch eini­gen indi­vi­du­el­len „to-dos“. Zuerst aber siegen Hunger und Freude am Austausch. Einige gehen noch gemein­sam in die Pizze­ria, andere lockt das Berli­ner Kultur­pro­gramm – manche*r eilt noch an den Schreib­tisch. Der Tag klingt aus und all das findet Platz, das im dich­ten Semi­nar­pro­gramm nicht unter­kam. Denn nach zwei Jahren gemein­sa­mer Ausbil­dung sind die 21 ange­hen­den Berater*innen längst eine vitale Gruppe gewor­den, die – um bei Koope­ra­ti­ons­for­men zu blei­ben – bereits ein gut funk­tio­nie­ren­des Netz­werk ist.

Der Rück­blick auf vergan­gene Ausbil­dungs­gänge zeigt: Der Kontakt inner­halb der Ausbil­dungs­gruppe bleibt bestehen – ob für Auftrags­ver­mitt­lung, fach­li­chen Austausch, Durch­füh­rung gemein­schaft­li­cher Projekte oder schlicht­weg private Verbin­dun­gen. Die Formen und Inhalte von Koope­ra­tion sind vielfältig.